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Kindheit und Jugendzeit - Rückblick und Ausblick

  • margretkellner
  • 18. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit



Kindheit und Jugendzeit prägen uns nachhaltig. Erfahrungen, Beziehungen und emotionale Eindrücke aus diesen frühen Lebensphasen wirken oft weit über die Jahre hinaus – manchmal bewusst, häufig jedoch unbewusst. In der systemischen Beratung begegnet mir immer wieder die Frage, welchen Stellenwert die Vergangenheit im heutigen Erleben einnimmt und wie ein konstruktiver Umgang mit ihr gelingen kann.

Während meiner Weiterbildung zur systemischen Beraterin hat der Buchtitel „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“ mein besonderes Interesse geweckt und meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dieser Satz eröffnete mir eine Perspektive, die sich deutlich von einem rein problemorientierten Blick auf die eigene Geschichte unterscheidet. Er lädt dazu ein, die Vergangenheit nicht zu verdrängen oder schönzufärben, sondern ihr mit Verständnis und einer versöhnlichen Haltung zu begegnen.


Rückblick: Die Vergangenheit verstehen – nicht umschreiben

Ein solcher Rückblick bedeutet ausdrücklich kein Verdrängen oder Relativieren von Leid. Die Vergangenheit ist nicht zu ändern. Was sich jedoch verändern lässt, ist die Einstellung zu ihr. In der systemischen Arbeit geht es darum, die eigene Lebensgeschichte anzuerkennen und zugleich zu erforschen, welche Wirkung sie auf die heutige Person hat.

Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf das, was schmerzhaft oder belastend war, sondern auch auf die Frage:

  • Welche Chancen und Erfolge sind mir trotz oder vielleicht sogar aufgrund dieser Erfahrungen möglich geworden?

  • Welche Fähigkeiten habe ich entwickelt, um mit schwierigen Situationen umzugehen?

Leid kann – ohne es zu verharmlosen – Entwicklungsprozesse angestoßen haben: innere Stärke, Durchhaltevermögen, Sensibilität, Verantwortungsbewusstsein oder die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge wahrzunehmen. Diese Kompetenzen sind häufig im Erleben von Belastung entstanden und wirken bis heute fort.


Der Mensch ist nicht durch seine Vergangenheit festgelegt

Ein zentraler Gedanke dieser Herangehensweise ist, dass der Mensch nicht auf seine Vergangenheit festgelegt ist und sich nicht als Opfer seiner Geschichte verstehen muss. Unterstützt wird diese Annahme durch Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften: Die Neuroplastizität des Gehirns zeigt, dass alte Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster veränderbar sind. Durch bewusste Praxis können neue neuronale Verbindungen entstehen – neue Wege im Denken, Fühlen und Handeln werden möglich.

Vergangenheit erklärt, aber sie bestimmt nicht zwangsläufig die Zukunft.


Rückblick als Kraftquelle

Ein ressourcenorientierter Rückblick beinhaltet Fragen wie:

  • Was hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin?

 
 
 

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